Rumänien Reisetipps mit Kindern Alba Iulia

Rumänien mit Kindern #2: von Sebeș über Alba Iulia und die Burg Hunedoara bis Timișoara

Teil zwei unserer Rumänien-Reise. Im ersten Teil waren wir in Cluj, im Salzbergwerk Turda und in Sovata, also in Siebenbürgen und im Kreis Mureș. Die zweite Hälfte unserer Reise haben wir in Sebeș und Timișoara verbracht, mit einem Ausflug zu einer Ritterburg auf Draculas Spuren. Und das Fazit vorweg: Rumänien mit Kindern geht wunderbar.

Sebeș: die kleine Stadt mit deutschen Wurzeln

Nach drei Tagen Sovata trieb es uns weiter nach Sebeș, einer Stadt in Siebenbürgen, die auf Deutsch Mühlbach heißt. Viele deutsche Spuren begegnet man hier, sei es an Straßenschildern oder auf alten Plaketten. Der Grund dafür: Ab dem 12. Jahrhundert wurden deutschsprachige Siedler, die Siebenbürger Sachsen, von ungarischen Königen ins Land geholt, um die Region zu besiedeln und zu verteidigen. Über 800 Jahre lang haben sie das Bild Siebenbürgens mitgeprägt, mit eigenen Kirchenburgen, Zünften und ihrer eigenen Sprache. Erst im 20. Jahrhundert, vor allem nach 1990, sind die meisten von ihnen ausgewandert, geblieben sind die Städte, die Architektur und eben Namen wie Mühlbach.

Sebeș selbst ist eine Kleinstadt mittlerer Größe, in der man gut einfach leben kann. Wir haben Ostereier gefärbt (in Rumänien wird das katholische Ostern kaum gefeiert, dafür aber das orthodoxe, das meist auf ein anderes Datum fällt. Etwas schade, dass wir genau während des katholischen Fests da waren), die Stadt erkundet, sehr guten Kaffee getrunken und viel Zeit auf dem Spielplatz verbracht. Auch die Sockenfabrik im Ort haben wir besucht. Und den ein oder anderen Ausflug gemacht:

Die Rote Schlucht bei Sebeș: Rumäniens kleiner Canyon

Ein paar Mal waren wir an der Roten Schlucht, auf Rumänisch Râpa Roșie, oft auch einfach Rapa Rosie geschrieben. Ein kleiner Canyon, gut 3 Kilometer nördlich von Sebeș, der wirklich beeindruckend aussieht. Auf etwa 800 Metern Länge haben Wind und Wasser hier Gestein freigelegt, das rund 60 Millionen Jahre alt ist, mit Rot- und Ockertönen, die aussehen, als wäre ein Stück Grand Canyon in Siebenbürgen gelandet. Lokal wird das Gebiet auch „kleiner Canyon“ genannt, und es steht als Naturschutzgebiet unter Schutz. Forscher haben hier sogar Reste eines Sauropoden-Skeletts gefunden, und es wachsen seltene Pflanzen, die man sonst kaum in der Region sieht.

Rund um Rapa Rosie kann man gut wandern gehen. Den Weg auf den Hügel oberhalb der Schlucht hat Bobby mit seinen drei Jahren gut geschafft, das hat aber auch gereicht. Am Fuß des Canyons verläuft der Fluss Secaș, hier kommen viele Menschen aus der Stadt zusammen und picknicken gemeinsam. Wir haben uns sehr willkommen gefühlt und ganze Nachmittage am Fluss verbracht. Besonders beeindruckend, wie schnell sich die Besucher aus ein paar Steinen und einem Rost eine funktionierende Grillstation gebaut haben.

Alba Iulia: die Stadt der inneren Werte

Ein weiterer Ausflug hat uns nach Alba Iulia geführt, keine 20 Minuten von Sebeș entfernt. Von außen sieht man der Stadt nicht an, was sich im Kern verbirgt. Erstmal wirkt sie wie eine klassisch rumänische Stadt, ein bisschen kastig, ein bisschen gelebt, ein bisschen provisorisch. Doch tritt man durch die Tore der Zitadelle Alba Carolina, eröffnet sich eine ganz andere Welt.

Alba Iulia, zu österreichisch-ungarischer Zeit Karlsburg genannt, geht auf das römische Apulum zurück und ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Rumäniens. Die sternförmige Festung Alba Carolina wurde im 18. Jahrhundert unter den Habsburgern gebaut, benannt nach Kaiser Karl VI. Ihre größte historische Bedeutung bekam die Stadt aber 1918: Hier wurde am 1. Dezember die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien beschlossen, ein Datum, das bis heute als rumänischer Nationalfeiertag gilt. Nicht nur die weitläufigen Parkanlagen, auch die Kirchen innerhalb der Zitadelle waren beeindruckend schön. Guten Kaffee gab es natürlich auch hier. Macht hier unbedingt einen Abstecher hin.

Burg Hunedoara: Corvin Castle und die Vlad-Țepeș-Legende

Von Sebeș machten wir uns auf den Weg zu unserer letzten Station in Rumänien, Timișoara. Auf dem Weg lag jedoch etwas, auf das wir uns schon lange gefreut haben: die Corvin-Burg in Hunedoara (Eisenstadt), auch Burg Hunedoara oder Corvin Castle genannt. Die gotisch-renaissancistische Burg ist wunderbar erhalten und toll zu entdecken. Rittersäle, Treppen und Verließe, hier kann man viel Zeit verbringen und noch mehr Treppen erklimmen.

Die Burg ist eng mit dem Namen Vlad Țepeș verknüpft, auf Deutsch Vlad der Pfähler, besser bekannt als Vorbild für Dracula. Geboren um 1431, gestorben um den Jahreswechsel 1476/1477, war Vlad dreimal Woiwode der Walachei. Seinen Beinamen bekam er erst nach seinem Tod, etwa ab 1550, wegen seiner Vorliebe, Feinde pfählen zu lassen, „Drăculea“ wiederum stammt von seinem Vater Vlad II., der Mitglied im Drachenorden war. An der Burg wird gern erzählt, Vlad habe hier im Verlies gesessen, als ihn der ungarische König Matthias Corvinus gefangen nahm. Historisch verbürgt ist das so nicht ganz, tatsächlich hielt Corvinus ihn zwölf Jahre lang in der Festung Visegrád in Ungarn fest, nicht in Hunedoara. Der Legende nach soll Vlad trotzdem hier eingesessen haben, und ehrlich gesagt, an einem Ort wie diesem will man diese Geschichte einfach glauben. Und nur falls sich jemand fragt, ob es dort auch was zu essen gibt. An den Buden vor der Burg gibt es wahnsinnig leckeres Langos.

Timișoara: unsere letzte Station

Timișoara war die letzte Station unserer Rumänien-Reise. Und boy, was für eine! Timișoara ist kaum zu vergleichen mit den anderen Orten, die wir gesehen haben. Mehr Altbauten, mehr klassische Innenstadt-Struktur, mehr Tourismus. Man spürt, dass Timișoara 2023 Kulturhauptstadt Europas war und dass einige europäische Gelder hier hingeflossen sind, und zwar wirklich gut eingesetzt wurden. Tolle Kirchen, schöne Gassen, einladende Restaurants.

Was uns aber noch mehr im Gedächtnis geblieben ist: die langgezogenen Parks mit vielen Spielgelegenheiten. Hier gab es keine eingezäunten Spielplätze, auf denen man stundenlang eingeschlossen war. Das Spielen hat sich einfach in den Lebensraum verteilt, den Familien mit allen anderen teilen, mit Spaziergängern, Sportlern, Dates. Dazwischen mal ein Popcornbüdchen oder ein Kaffeefahrrad (ok wir lieben Gastronomie).

Durch Timișoara fließt die Bega, ein Kanal, der von einem einzigen großen Grünstreifen begleitet wird. Für die Kleinen lässt sich besonders der Parcul Copiilor Ion Creangă, der Kinderpark, hervorheben. Ein weitläufiger Park entlang der Bega mit Spielgeräten für große und kleine Kinder. Und auch auf dem Wasser kann man sehr nette kleine Touren machen. Wir haben zum Beispiel die Piratentour gemacht, die für Bobby großartig war: jeder durfte sich verkleiden und mit Säbel und Hut über die Bega fahren.

Wir haben viel Tolles in Timișoara erlebt.
Waren in der Banatul Philharmonie zur Generalprobe eines Klavierkonzerts, sodass Bobby sein erstes klassisches Konzert erleben konnte. Es war auch nicht schlimm, dass wir nach der Hälfte mal raus mussten, weil Schostakowitsch dann doch nicht seinem Geschmack entsprach.
Waren im Universitätsviertel unterwegs und haben den Fanshop von Poli Timișoara gefunden, das Trikot trägt er noch heute mit Stolz, Lila-weiß gestreift ist ja auch groß.
Waren bei den rumänischen Turnmeisterschaften und konnten zu sozialistischer Musik Saltos und Grätschen sehen.
Haben eine Honig-Manufaktur entdeckt und uns für das ganze Jahr eingedeckt.
Und natürlich viele Second-Hand-Shops besucht und tolle Schätze gefunden.

Wir haben uns durch die Stadt treiben lassen, und sie hat uns mit offenen Armen empfangen.

Unser Fazit zu Rumänien mit Kindern

Und das ist auch unsere Empfehlung für Rumänien: Dieses Land gibt so viel, wenn man es zulässt. Wir waren im März und April dort, keine besonders einladende Zeit, wenn der Frühling auf sich warten lässt. Doch eisiger Wind hat uns nicht gestört (es gibt ja überall sehr guten Kaffee), denn wir waren überall willkommen. Wir haben so viele kleine Momente voller Wohlwollen erlebt, dass Rumänien einen festen Platz in unserem Herzen hat. Und wer jetzt noch zögert: WizzAir hat das Streckennetz massiv ausgebaut und bringt euch kostengünstig in viele verschiedene Ecken des Landes.

Unsere Tipps für eure eigene Rumänien-Reise

  • Lernt das Land auch abseits der großen Touristenspots wie Brașov oder Sibiu kennen. Die sind bestimmt sehr schön, aber hört auf die Nuancen, die dazwischen liegen.
  • Mietet euch gern ein Auto und erkundet auf eigene Faust. Abseits sehr guter Autobahnen sind gerade die Landstraßen interessant. Wir sind durch Dörfer gefahren, in denen Menschen traditionelle Kleidung tragen und der ein oder andere Pferdepflug im Einsatz ist. Das waren abgeschiedene Orte, die nicht für Touristen hergerichtet wurden, nur so seht ihr auch diese Seite des Landes. Auch die unterschiedlichen Bauweisen und die wechselnde Landschaft sind faszinierend zu beobachten.
  • Vertraut auf den guten Kaffee. Der Cappuccino ist selbst in kleineren Städten keine Milchsuppe. Erstaunlich auch wie oft einem Single Origin Kaffee angeboten wird. Fühlt sich gentrifiziert-urban an, ist aber offenbar einfach Teil der rumänischen Kultur.
  • Airbnb funktioniert gut, Booking auch, unser Hotel in Sovata haben wir direkt über die Hotelseite gebucht. Schaut einfach, wonach euch gerade ist.
  • Das Essen war in vielen Restaurants in den größeren Städten sehr gut, an den meisten Orten nett. Besondere Gerichte sind uns nicht hängengeblieben, eher der ungarische Einfluss im Westen des Landes: Langos, Paprikasch, solche Sachen. Und die Langos waren saulecker, nicht zu vergleichen mit den fettigen Dingern vom Jahrmarkt in Deutschland, sondern fluffig, salzig, traumhaft.

Das war unsere Rumänien-Reise mit Kindern, von Cluj bis Timișoara. Merkt euch beide Teile gerne auf Pinterest, und schreibt uns in die Kommentare, welche Station euch am meisten reizt.



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