Bosnien ist eines dieser Länder, die wir schon immer mal besuchen wollten. Doch ganz an die Spitze unserer Liste hatte es das Land nicht geschafft, immer verdrängt von Ländern, die bekannter, weiter weg oder abenteuerlicher schienen. Als uns dann kurzfristig Flüge gecancelt wurden, passte Bosnien perfekt in die spontan aufgetane Lücke. So fanden wir uns vier Wochen später im Flugzeug nach Tuzla auf Bosnien Urlaub wieder.
Und ja, es war natürlich großartig. Vielseitig, abenteuerlich, fremd. Wir haben viel gesehen, gefühlt und gegessen. So viel, dass daraus zwei Artikel wurden: einer über Sarajevo (folgt!), die Hauptstadt des Balkanlandes, und dieser hier über unsere kleine Bosnien Rundreise und unsere Erfahrungen im Land. Lest doch mal rein und schiebt Bosnien auf die Liste eurer Reiseziele (weit) nach oben.
Bosnien. No amazon, no Autobahn.
Bosnien liegt im ehemaligen Jugoslawien, umgeben von Kroatien, Serbien und Montenegro. Ein kleines Stückchen Meerzugang hat das Land ganz im Süden. Aber trotzdem ist es von Wasser gezeichnet: türkise Seen, dunkelblaue Flüsse und so viele Wasserfälle. Gefühlt ist es das Land der Brücken, denn besonders in Sarajevo, Mostar und Jablanica gibt es Brücken, die historisch relevant und kulturell tragend sind: An der Lateinerbrücke in Sarajevo fand 1914 das Attentat auf Franz Ferdinand statt, die Brücke in Jablanica wurde 1943 im Kampf gegen den Faschismus gesprengt, die Alte Brücke in Mostar wurde 1993 im Krieg zerstört. Und das unterstreicht, wie viel in diesem Land passiert ist. Wie viel junge Geschichte, wie nah dran wir eigentlich sind, und wie schnell sich das Vergessen darüberlegt.
Bosnien und Herzegowina ist der ganze Name des Landes. Eine Flagge, die rausbricht aus den dreifarbigen Balken, die man von so vielen europäischen Flaggen kennt. Ein Land, das jung ist und noch nicht angekommen. Bosnien ist Beitrittskandidat der EU, aber noch kein Mitglied, und hat auch keinen Euro: Hier zahlt man mit der Konvertiblen Mark, kurz KM. Der Kurs ist ungefähr 1:2, das heißt 5 Euro sind etwa 10 KM. Sehr einfach zu merken. Was man jedoch manchmal vergisst: Bosnien gehört nicht zur EU-Roaming-Zone. Man braucht also eine eigene SIM oder eSIM, die kann man auch schon von Deutschland aus kaufen und dann kurz vorab aktivieren.
Unser Bosnien Urlaub auf einen Blick
- Flug Hamburg nach Tuzla, mit dem Mietwagen direkt weiter nach Sarajevo (110 km, zweieinhalb bis drei Stunden)
- 4 Tage Sarajevo
- 2 Tage Glamping kurz vor Jablanica (80 km, anderthalb Stunden)
- 2 Tage Tuzla, von dort Rückflug (so circa 3,5 Stunden Fahrzeit)
Anreise nach Tuzla und Mietwagen in Bosnien
Wir sind zu dritt mit einem Gepäckstück für insgesamt 200 Euro von Hamburg nach Tuzla mit unserer Lieblingsairline WizzAir geflogen. Zwei Stunden Flugzeit später landet man auf einem kleinen Rollfeld mit einem ganz kleinen Flughafen. Wir haben für unsere kleine Bosnien Rundreise ein Auto gemietet, denn der öffentliche Nahverkehr besteht vor allem aus Bussen und die fahren nicht so häufig. Vom Flughafen fährt wohl ein Shuttle-Minibus, der auf die Flüge abgestimmt ist, in etwa 40 Minuten zum Busbahnhof Tuzla. Das Ticket von 10 bosnischer Mark soll man direkt beim Fahrer zahlen – aber wie gesagt, mit dem Bus sind wir nicht gefahren. Recherchiert hier unbedingt noch einmal kurz bevor ihr fahrt, wir hatten den Eindruck, dass die Bushaltestelle ein ganzes Stück vom Flughafen selbst entfernt ist.
Und noch ein zweiter Tipp: Für unseren Bosnien Urlaub haben den Mietwagen über Sixt gebucht, denn das war günstiger als der Low-Cost-Anbieter und hatte zusätzlich den Nebeneffekt, dass auf unserem Konto keine 1.500 Euro Kaution geblockt wurden, sondern nur 500. Außerdem war die Schlange sehr kurz, so dass wir zehn Minuten nach Ankunft und Kofferabholen schon losfahren konnten.
Vorwärtskommen: Autofahren in Bosnien
Noch in Deutschland am Flughafen haben wir eine ältere Dame getroffen, die uns erzählte, sie müsse von Tuzla aus noch 90 Kilometer weiter. Es klang bei ihr, als hätte sie eine weite Reise vor sich. Als wir auf der Straße nach Sarajevo waren, ergab das auf einmal Sinn: Bosnien hat kaum Autobahn, zwischen Tuzla und Sarajevo gar keine, und auf der Hauptstraße durchs Land empfiehlt es sich auch nicht, schnell zu fahren. Die Straße ist in gutem Zustand, aber teilweise sehr schmal, und die Strecke führt durch bergige Landschaft, ist also verwinkelt und kurvenreich. So dauern 90 Kilometer schon mal zwei Stunden. Wir haben wenige Blitzer gesehen, aber häufig Verkehrspolizei, die die Straße beobachtet hat, viele Fahrer haben sich wirklich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten.
Vom Flughafen Tuzla sind wir direkt nach Sarajevo gefahren, für die rund 110 Kilometer haben wir etwa zweieinhalb bis drei Stunden gebraucht. In Sarajevo haben wir vier Tage verbracht, und das war eine gute Dauer (dazu folgt der Artikel). Weiter ging es für uns in den Süden, um kurz vor Jablanica ein bisschen Natur- und Badeurlaub zu machen. 80 Kilometer, für die man anderthalb Stunden braucht, denn dieses Stück der Strecke ist besser ausgebaut. Für einen kurzen Autobahnabschnitt von ca. 25 Kilometern zahlt man Maut (bei uns knapp 4 Euro), und man durchquert einige Berge durch Tunnel. Die Strecke führt durch Konjic, eine der größeren Städte auf unserer Route. Wahrscheinlich kann man hier gut anhalten und die Stadt erkunden, besonders gut soll man hier auch auf der Neretva raften können. Das haben wir jedoch alles ausgelassen.
An manchen Abschnitten gibt es kleine Stände mit Zwiebeln, Fellen und natürlich Honig. Und wie hätten wir da dran vorbeifahren können…
Reisezeit: Bosnien im September
Wir waren Anfang September in Bosnien, und das war eine perfekte Reisezeit. Es war richtig warm, bis zu 33 Grad, aber sehr gut auszuhalten. Man konnte super baden, und gut durch die Stadt laufen. Ungewohnt war, wie früh es dunkel wurde: Um 20 Uhr so dunkel wie die Nacht. Bosnien liegt in derselben Zeitzone wie Deutschland, jedoch deutlich weiter östlich und südlicher, deshalb geht die Sonne fast eine Stunde früher unter.
Eine Wahrheit ist auch, dass man den Klimawandel spürt. Die Wasserstände waren teilweise enorm niedrig, in Sarajevo wurde wegen der Dürre am Nachmittag das Wasser abgestellt. Die Luft war rauchig von den vielen Waldbränden. Bosnien ist wunderschön, und in Gefahr.
Hotels in Bosnien
Beim Buchen von Hotels spürt man, dass Bosnien nicht das beliebteste Reiseland in Südosteuropa ist. Die Auswahl war doch recht begrenzt, und auch AirBnB hat keine Liste von Wohnungen ergeben, zu denen man unbedingt zurückkehren möchte. Es war schwer, schöne Unterkünfte zu finden. Doch die folgende war großartig:
Glamping in Jablanica
Von Montag bis Mittwoch haben wir gezeltet. Dieser Satz würde so nie über unsere Lippen kommen, denn wir sind einfach keine Naturreisemenschen, sondern finden Wände und Türen schon ziemlich gut. Darum war das natürlich kein normales Zelten, sondern Glamping: ein sehr großes Zelt mit Holzfundament, feste Betten mit Matratzen, Küche und Bad mit Dusche. Wirklich Luxus-Zelten, direkt am Wasser. Das Glamping Bagrem liegt an der Hauptstraße, von der es steil nach unten zu verschiedenen Zelten jeder Größe (auch für die Puristen unter den Glampern ist hier etwas dabei) geht. Direkt an türkis schimmerndem Wasser. Zum Abstieg haben wir den Koffer direkt im Auto gelassen – Zum Glück setzen wir beim Reisen mittlerweile voll auf Packing Cubes.
Die Neretva ist mit rund 225 Kilometern einer der größten Flüsse Bosniens. Sie entspringt nahe der Grenze zu Montenegro, fließt durch Konjic und Jablanica über Mostar bis nach Kroatien und mündet dort in die Adria. Seit den 1950er Jahren ist der Fluss bei Jablanica zu einem See gestaut, dem Jablaničko jezero, in dem man wunderbar schwimmen kann. Wie oft bei Stauseen geht es steil bergab. Lange, flache Strände gibt es hier eher selten, sondern gleich tiefes Wasser. Für Bobby hatten wir eh eine Schwimmweste im Gepäck, und die hat sich sehr gelohnt.
Das Glamping Bagrem können wir sehr empfehlen: das „Zelt“ wunderschön und komfortabel, der See großartig zum Baden, es war ruhig und perfekt zum Entspannen und Lesen. Still und leise war es aber nicht, denn die Hauptstraße verlief nur wenige Meter über unseren Köpfen.
Was auch nur wenige Meter über uns war: das Restaurant Bagrem, für viele Reisende ein idealer Zwischenstopp und für uns die perfekte Versorgung (man merkt, wie sehr wir camper sind). Es gab eine vielseitige Frühstücksplatte, und der Grill war durchgehend an, denn die Gegend um Jablanica ist bekannt für ihr am Spieß gegrilltes Lamm.
Jablanica: das Mahnmal an der Brücke
Jablanica ist außerdem wegen des Mahnmals an der Brücke einen Zwischenstopp wert. 1943 sprengten die Partisanen die Eisenbahnbrücke über die Neretva als Ablenkungsmanöver. Die Deutschen bauten sie danach wieder auf, und 1968 wurde sie für den Film „Die Schlacht an der Neretva“ noch einmal gesprengt. Die Reste hängen bis heute über dem Fluss, als Erinnerung an den Kampf gegen den Faschismus. Auch das Museum daneben ist einen Besuch wert.
Tuzla: die Salzstadt im Nordosten
Unsere letzte Station war Tuzla, die Salzstadt im Nordosten. Früher wurde direkt unter der Stadt Salz gewonnen, und die Spuren sieht man in der Stadt. Der Stadtkern hat sich massiv abgesenkt, so dass viele historische Häuser abgerissen werden mussten. Darum ist heute Tuzla wahrscheinlich nicht die schönste der bosnischen Städte. Macht aber nichts, man kann hier trotzdem eine sehr gute Zeit haben.
Wie auch in Sarajevo existieren in Tuzla verschiedene Religionen nebeneinander, man hört den Ruf des Muezzins gemischt mit Kirchenglocken.
Die orthodoxe Kirche ist etwas Besonderes und unbedingt einen Besuch wert. Von außen wirkt sie recht unscheinbar, innen eröffnet sich eine blau-rote Welt, die viel farbiger ist, als in anderen Kirchen. So ganz lässt sich das auf einem Foto nicht einfangen – darum unbedingt selbst reinschauen.
Tuzla blieb auch während des Krieges in den 90er Jahren bewusst multiethnisch, Bosniaken, Serben und Kroaten lebten hier weiter zusammen. Diesem Krieg begegnet man auch in Tuzla. Am 25. Mai 1995 schlug eine Granate der bosnisch-serbischen Armee auf dem Platz Kapija in der Altstadt ein und tötete 71 überwiegend junge Menschen. Das ist bis heute ein wichtiger Gedenkort der Stadt.
Nicht weit entfernt von Tuzla liegt Srebrenica. Srebrenica muss uns allen ein Begriff sein: Es ist der Ort des Genozids an den Bosniaken im Juli 1995. Der Ort, an dem mehr als 8.000 Männer und Jungen ermordet wurden. In einer UN-Schutzzone, aufgegeben von der Weltpolitik. Viele Deportierte, viele Überlebende kamen damals nach Tuzla, auf dem Flugplatz entstand ein großes Flüchtlingslager, in erster Linie mit Frauen, Kindern und Alten. Und in Tuzla wurden über Jahre die Überreste der Toten aus den Massengräbern identifiziert, damit die Familien sie in Potočari beerdigen konnten.
Panonska jezera: die Salzseen von Tuzla
Tuzla hat auch heute einen Kern, der Menschen zusammenführt. Mitten im Zentrum liegt ein großes Freizeitbad aus drei Seen, die Panonska jezera. Es kostet Eintritt (wir haben als Familie in etwa 7 Euro für den Tag gezahlt) und wird von ganz unterschiedlichen Menschen besucht. Hier schwimmen Kinder mit ihren Opas, Teenie-Cliquen treffen sich, Frauen tauschen sich aus und waten durchs Wasser.
Die Seen wurden künstlich angelegt, der erste 2003, die anderen beiden folgten 2008 und 2012. Sie sind mit großen Kieselsteinen ausgelegt und haben ziemlich salzhaltiges Wasser. Nicht so salzig, dass man darauf liegen kann, aber schon so, dass man etwas weiter oben treibt. In den heißen Monaten ist es wohl recht voll, wir waren Anfang September hier, da hatte die Schule bereits angefangen. Die Öffnungszeiten variieren von Monat zu Monat, schaut vorab kurz auf der Website vorbei.
Ćevapi in Tuzla
Kulinarisch ist Tuzla ein wenig eingeschränkter. Hier wird die Karte überwiegend von Ćevapi bestimmt. Die waren aber auch besonders lecker. Gleich gegenüber den Salzseen ist die Ćevabdžinica Limenka, die ein bisschen an ein Diner erinnert. Es heißt, der Besitzer hat während des Krieges und Corona viele Menschen kostenlos mit Essen versorgt. Wer mehr über Ćevapi erfahren möchte, wartet noch ein bisschen auf unseren nächsten Artikel – wird hier natürlich verlinkt.
Geheimtipp: die Porträtgalerie
Ein wenig versteckt, aber unbedingt einen Besuch wert, ist die Internationale Porträtgalerie (Međunarodna galerija portreta). Im ersten Stock ist die Dauerausstellung, mit vielen Porträts, aber auch Werken von Künstlern mit Wurzeln in Tuzla. Seit den 80er Jahren findet hier alle zwei Jahre ein internationales Festival der Porträtmalerei statt, und den Schwerpunkt sieht man auch.
Lohnt sich eine Woche Bosnien Urlaub?
Unbedingt ja. Bosnien ist landschaftlich wunderschön, in den Städten gibt es viel zu erkunden, und gleichzeitig schwer zu verarbeiten – und genau darum ein Ort, den man unbedingt besuchen sollte. Mit dem Mietwagen waren wir flexibel, und wenn man die langsamen Straßen einplant, ist eine Woche gut machbar. Eine Woche Bosnien Urlaub fühlt sich nach viel mehr an.
Unsere Tage in Sarajevo bekommen einen eigenen Artikel [linkt folgt ]. Wart ihr schon in Bosnien oder plant ihr gerade eine Reise? Schreibt uns eure Eindrücke oder Fragen gern in die Kommentare. Und wenn ihr noch mehr Reisetipps mit Kind für Osteuropa sucht: Hier geht’s zu unseren Bulgarien-Reisetipps für Familien.




















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