Acht Jahre stand unser Wohnzimmer in hellem, klaren Weiß. Doch mit jeden Jahr wurde das Reinweiß weniger rein. Die Spuren eines ganzen guten Lebens. Und natürlich trägt Bobby auch seinen Teil dazu bei, dass Datscher, Streifen und kleine Handabdrücke die Wände zieren. Zeit für eine kleine Auffrischung. Hier kommen meine besten Tipps fürs Wohnzimmer Streichen, von der Farbwahl bis zum Trick mit dem Licht.
Beim Streichen haben wir ein paar Dinge anders gemacht als beim letzten Mal, und genau die haben den Unterschied gemacht: weicheres Licht, sauberere Kanten und deutlich weniger Aufwand. Den größten Unterschied macht dabei ein kleiner Geheim-Trick: Ich habe die Innenseiten der Fenster in einem anderen Farbton gestrichen. Aber der Reihe nach, hier meine Tipps zum Wohnzimmer Streichen.
Das brauchst du zum Streichen
Bevor es losgeht, lohnt der kurze Blick auf die Materialliste. Für ein Wohnzimmer dieser Größe brauchst die nicht allzu viel:
- Wandfarbe: fünf bis sieben Liter für rund 25 m²
- Zweiter Farbton: in kleiner Menge für die Fensterinnenseiten
- Schmutzradierer: zum Reinigen der Wand vorab
- Farbrolle: am besten die hochwertigen aus dem Fachhandel
- Pinsel für Ecken und Kanten, dazu ein feiner Pinsel für Details. Mit Rundpinseln haben wir gute Erfahrungen gemacht
- Abklebeband für die Wandkanten, nimm auch hier das hochwertige Gelbe, statt günstiges Kreppband. Und für scharfe Kanten: FrogTape!
- Malervlies für Boden und Möbel, investiere ruhig einmal in guten Vlies, statt flimmsige Folie
- Feuchter Lappen, griffbereit zum sofortigen Nacharbeiten
Wo kaufe ich die Farbe? Malerfachhandel, Baumarkt oder online
Drei Wege führen zur Wandfarbe, und sie unterscheiden sich mehr, als man denkt.
- Der Malerfachhandel ist die erste Adresse, wenn dir der Farbton wichtig ist. Hier wird individuell abgetönt, du bekommst Pigmentqualität und Deckkraft, die im Baumarkt selten erreicht werden, und du wirst beraten, statt zu raten. Mein Zubehör, inklusive der Walze, habe ich dort gekauft, weil gute Werkzeuge das Streichen viel angenehmer machen. Keine Flusen an der Wand, gute Farbaufnahme – du wirst es wirklich merken. Und wenn es auf einen exakten Ton ankommt, führt am Fachhandel ohnehin kein Weg vorbei: Für eine Wand, die ich farbgleich zu einem Möbelstück streichen wollte, habe ich die Farbe exakt anmischen lassen – und es matcht perfekt!
- Der Baumarkt ist der pragmatische Mittelweg. Standardtöne und Markenfarben bekommst du sofort, dazu das Gröbste an Zubehör in einem Einkauf. Mein „Mandelrouge“ für die Fensterinnenseiten ist genau so ein Fall: eine fertig angemischte Premium-Innenfarbe von V&CO, die ich direkt im Baumarkt mitgenommen habe. Wenn der Ton schon feststeht und du keine Sonderanmischung brauchst, ist das der schnellste Weg.
- Der Online-Shop spielt seine Stärke beim Zubehör und bei Markenfarben aus, deren Ton du schon kennst. Bequem, oft günstig, gut für Nachbestellungen. Der Haken: Farbe am Bildschirm zu beurteilen ist unmöglich, denn Monitore lügen. Für einen Ton, auf den es ankommt, würde ich nicht blind online bestellen. Aber: ich nutze online gern zur Inspiration. Hier kann ich sehen, wie Farben in verschiedenen Räumen wirken, wie bspw. bei klint. Das hilft mir dabei, neue Farben zu entdecken, die ich nur von einer Farbkarte aus, nicht gewählt hätte.
Mein Fazit: Streichzubehör und exakte Farb-Anmischungen aus dem Fachhandel, fertige Markentöne aus dem Baumarkt, online zur Inspiration. So kombinierst du das Beste aus allen drei.
Wand reinigen vor dem Streichen
Bevor wir mit dem Streichen beginnen, kommt der Schmutzradierer zum Einsatz. Die meisten Spuren vom Kind und vom Alltag lassen sich damit komplett entfernen. Einfach die Wand damit abreiben, und die Spuren verschwinden.
Das mache ich grundsätzlich vor jedem Streichen. Der Grund ist simpel: Sitzt der Schmutz erst unter der frischen Wandfarbe, drückt er sich oft wieder durch und man muss ein zweites Mal über dieselbe Stelle. Eine saubere Wand spart also manchmal sogar den zweiten Anstrich.
Altbauweiß statt Reinweiß
Für die Wände haben wir uns gegen Reinweiß entschieden und für den Ton „Altbauweiß“. Reinweiß wirkt schnell kalt und flach. Wir wollten Tiefe, einen Hauch Wärme, etwas, das den Raum trägt statt ihn auszuleuchten. Altbauweiß tut genau das: Man liest es kaum als Farbe, spürt aber sofort, dass der Raum ruhiger wirkt.
Ein häufiger Fehler: viele gehen zu zögerlich beim Streichen vor, es muss richtig Farbe auf die Wand. Zu wenig Farbe auf der Rolle ist die häufigste Ursache für ein fleckiges Ergebnis.
Der Gamechanger: farbige Fensterinnenseiten
Mein eigentlicher Trick steckt an einer Stelle, die kaum jemand bewusst wahrnimmt: den Innenseiten der Fenster. Die habe ich in einem anderen Ton gestrichen: „Mandelrouge“, ein helles Rosa.


Auf den ersten Blick sieht man die Farbe gar nicht. Was man sieht, ist das Licht: Es fällt weicher in den Raum, wärmer, viel harmonischer. Zu den Pflanzen passt es ohnehin perfekt. Genauso bin ich bei den Innenseiten der Bögen und unseres Durchbruchs vorgegangen. Diese versteckten Flächen sind die heimlichen Lichtlenker im Raum, ein kleiner Aufwand mit großer Wirkung.


Helle Farben streichen ohne Abkleben
Bei hellen Farben klebe ich kaum noch ab. Die Wände schon, aber Fußleisten, Fensterbrett und Fensterrahmen nicht. Statt Abklebeband überall zu verteilen, liegt die ganze Zeit ein feuchter Lappen bereit. Direkt nach dem Streichen wische ich die übermalten Stellen einfach einmal feucht ab.
Das Ergebnis: saubere Kanten, weniger Müll, und die ganze Zeit fürs Abkleben fällt weg. Wichtig ist nur, nicht zu lange zu warten, bis die Farbe richtig getrocknet ist. Aber meist kannst du frische Farbe auch noch innerhalb der ersten Tage einfach entfernen.
Für mich ist das die Technik, die das Streichen vom Großprojekt zur Nachmittagssache macht.
Aufwand: Zeit, Prozess und Kosten
Damit du es einschätzen kannst, hier die ehrlichen Eckdaten für unser 30 m² Wohnzimmer (ohne Decke).
- Der Prozess in der Reihenfolge, wie ich vorgehe: Wand mit dem Schmutzradierer reinigen, Möbel abrücken und abdecken, nur die Wandkanten zur Decke abkleben, Farbe ansetzen, mit der Rolle die Flächen und mit dem Pinsel die Ecken streichen, Fensterinnenseiten im zweiten Ton anlegen, direkt mit dem feuchten Lappen nacharbeiten. Bei deckender Wandfarbe reicht meist ein Anstrich plus punktuelles Nachgehen.
- Die Zeit verteilt sich bei mir auf einen Tag: ungefähr eine Stunde Vorbereitung, drei bis vier Stunden Streichen, dazwischen die Trockenzeit der ersten Bahnen. Weil das Abkleben fast komplett wegfällt, spare ich gegenüber früher gut eine Stunde reine Klebearbeit.
- Die Kosten halten sich in Grenzen. Für einen Raum dieser Größe brauchst du rund fünf bis sieben Liter Wandfarbe, dazu eine kleinere Menge im zweiten Ton für die Fenster. Mit guter Wandfarbe, einer hochwertigen Rolle, einem ordentlichen Pinsel, Abklebeband und Malervlies landest du grob bei 150 Euro, je nachdem, wie viel Material du schon im Haus hast. Der zweite Farbton ist der einzige echte Extra-Posten, und der lohnt sich für die Wirkung mehr als fast alles andere.
Der letzte Schliff
Für die feinen Kanten greife ich zu einem Pinsel aus Bobbys Tuschkasten. Klein, präzise, perfekt für die schwierigen Stellen, und das beste Ergebnis von allen.
Hast du übrigens noch Farbe über, kannst du die gut für kleine Korrekturen aufbewahren, indem du eine kleine Plastikspritze damit aufziehst. Wir hatten solche noch aus dem Arztkoffer von Bobby, mit dem er heute nicht mehr spielt. so kannst du immermal etwas nachmalen, wenn Bedarf ist.
Häufige Fragen
Muss man Wände vor dem Streichen wirklich reinigen?
Ja, gerade bei sichtbaren Flecken. Schmutz und Fettränder drücken sich sonst durch die frische Farbe und zwingen dich zum zweiten Anstrich. Ein Schmutzradierer reicht für die meisten Alltagsspuren völlig aus.
Wann muss ich vor dem Streichen grundieren?
Eine bereits gestrichene, intakte Wand musst du in der Regel nicht grundieren – einmal reinigen und direkt streichen reicht. Eine Grundierung lohnt sich in vier Fällen: bei frischem, saugendem Putz oder Rigips, bei stark saugenden oder kreidenden Altanstrichen, beim Überstreichen von hartnäckigen Flecken wie Wasserrändern oder Nikotin, und wenn du von einer dunklen auf eine deutlich hellere Farbe wechselst. In allen anderen Fällen kannst du dir den Schritt sparen.
Kann man helle Farben ohne Abkleben streichen?
Bei hellen Tönen funktioniert das gut: Statt alles abzukleben, einen feuchten Lappen bereithalten und Farbspritzer sofort abwischen, solange sie frisch sind. Die Wandkanten selbst klebe ich trotzdem ab.
Warum die Fensterinnenseiten in einer anderen Farbe streichen?
Ein zarter Ton auf den Innenseiten von Fenstern, Bögen oder Durchbrüchen lenkt das einfallende Licht weicher in den Raum. Man nimmt die Farbe kaum bewusst wahr, spürt aber, dass das Licht wärmer und harmonischer wirkt.
Mehr zum Streichen und Inspiration, wie das ganze auch in bunt geht, findet ihr zum Beispiel hier. In diesem Artikel erfährst du, wie wir Bobbys 8qm Zimmer in einen bunten Kinderzimmertraum verwandelt haben.

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